FRÜHJAHRSÄQUINOX

FRÜHJAHRSÄQUINOX

Rein wissenschaftlich betrachtet ist die Tag- Nachtgleiche jener Punkt an welchem die Sonne in ihrem Verlauf den Äquator kreuzt, also genau senkrecht über diesem steht. Tag und Nacht sind beide gleich lang. Ein Vorgang der sich jedes Jahr im Frühjahr, Frühlingsäquinox, und Herbst, Herbstäquinox, wiederholt. Zwischen den beiden Äquinoxen liegen die Sonnenwenden. Es sind jene Tage, an denen die Sonne am weitesten vom Äquator entfernt ist. Bei uns auf der Nordhalbkugel ist das bei der Sommersonnenwende im Juni der Nordpol und bei der Wintersonnenwende im Dezember der Südpol.

In vergangenen Zeiten war die Tag- Nachtgleiche für die Menschen ein Wechsel, ein Übergänge in eine andere Jahreszeit, die mit den Festen „Ostara“ und „Mabon“ festlich gewürdigt wurden. „Ostara“ bedeutete den langen Winter endgültig hinter sich zu lassen, „Mabon“ war das Fest mit welchem der Sommer verabschiedet wurde. Die zunehmenden Sonnenstunden standen für Leben und Wachstum.  Der Tod war besiegt, die Felder wurden vorbereitet,

All diese Übergänge, Schwellentage waren stets ein Grund für die Menschen sie ehrwürdig zu begehen. Für sie waren es wichtige Lebensabschnitte eines Jahres, die eng mit ihren Tätigkeiten in der Natur verbunden waren. An diesen Tagen war die Schwelle zur Anderswelt besonders dünn. Tage an denen man mit den Göttern und Spirit´s in Kontakt treten, ihnen danken und gleichzeitig Bitten aussprechen konnte.

Der lange Winter ist vorbei, die hellen Stunden drängen die dunklen zurück. Es wird wärmer und freundlicher. Zeit die Felder zu bestellen, zeit diesen Tag mit „Ostara“ zu würdigen. Die Menschen verabschiedeten den Tod und begrüssten das Leben, das von nun an wieder aus der Erde spriessen wird. Die Zeit der Einschränkung, des Mangels durch den Winter ist vorbei. Mutter Erde versorgt die Menschen wieder bis hin zum Überfluss.

Einst feierten die Menschen den Frühjahrsäquinox „Ostara“ um ihren Dank für den überstandenen Winter, den Sieg des Licht´s über den Tod auszudrücken. Ein Dank an die Götter und Spirit´s, verbunden mit Bitten um Wachstum und eine gute Ernte. Es war eine andere Zeit, eine Zeit in welcher Heizungen und feste Gebäude wie wir sie heute kennen nicht vorkamen. Die Menschen waren der Natur ausgesetzt und lebten in und mit ihr. Dies stellte für sie gleichzeitig einen Bezug zu allen natürlichen Vorgängen her. Geblieben ist mit Einzug der Christianisierung das Osterfest, das etwas verrückt zum damaligen Ostara gefeiert wird.

Betrachtet man die Bedeutung der oft harten Winter für die Menschen so kann man nachvollziehen das der Übergang in die helle Jahreszeit mit Geburt und Leben, während der Winter als dunkle Jahreszeit mit dem Tod assoziiert wurde.

Was bedeutet dies für unsere moderne Zeit?

Eigentlich nichts? Oder doch so viel? Sicherlich ist es gut sich diese alten Feste mitsamt ihrer Bedeutung wieder in sein eigenes Gedächtnis und auch ein Stück weit in sein eigenes Leben zurück zu holen. Sie zu integrieren würde bedeuten selbst wieder einen Bezug zum Leben, zu den Vorgängen in der Natur zu erhalten. Die Jahreszeiten spiegeln den Lebenslauf, komprimiert auf ein Jahr wieder und erinnern uns mit „Geburt, Wachstum, Lebensmitte und Tod“ an die eigene Vergänglichkeit.

Betrachtet man die Geschehnisse um uns herum, mit all ihren Unwettern und deren verheerenden Auswirkungen auf das Leben kann man die Menschen von damals leichter verstehen. Gleichzeitig wird einem die machtvolle Kraft der Naturgewalten bewusst, während alles menschliche Schaffen an Bedeutung verliert.

Ostara zu feiern bedeutet einerseits Dankbarkeit für das Überstehen der dunklen Zeit, der Einschränkunegn zuzulassen und dies entsprechend zu würdigen. Gleichzeitig erinnert uns das Fest an die kommende, helle Jahreszeit. An den Kreislauf von Tod und Geburt, daran das es nun an der Zeit ist aktiv zu werden.  Leben ist Bewegung und das im Frühjahr geplante kann nur Ergebnisse erzielen, wenn Taten folgen. Die Zeit ist reif die Saat auszubringen, Ideen und Projekte mit Leben zu erfüllen.

Leben ist Wechsel. Wer ständig unter Spannung steht darf sich nicht wundern wenn das System einen Kurzschluss erleidet. Die eigenen Wände sind einfach zu dünn geworden. Gereiztheit ist eine der Auswirkungen vor dem Kollaps.

Die Natur bietet uns einen perfekten Spiegel für das eigene Leben, für unsere Handlungen und Unternehmungen, Industrieunternehmen wie Mittelstand.

Was würde geschehen, wenn wir uns wieder ein wenig mehr an den Gegebenheiten und Kreisläufen der Natur, von Mutter Erde orientieren würden? Wenn nach einer stressigen Phase geerntet werden und danach auch ein Rückzug, eine Phase der Ruhe folgen darf, bevor es mit neuen Planungen und Stress weiter geht? Könnte damit die eigene, oder auch innerbetriebliche Zufriedenheit erhöht werden? Bekämen Wertschätzung und Anerkennung für alle Beteiligten wieder ihren zugedachten Stellenwert? Und was würde das für die Zukunft bedeuten? Mehr Motivation, Spaß und Initiative?

Was bedeutet dies für jeden Einzelnen? Ein Leben das eher im Gleichgewicht, in Balance steht als stets unter einseitiger Belastung? Könnte dies eine gewisse Ausgeglichenheit mit sich bringen, mehr Zufriedenheit, Wohlbefinden und Gesundheit? Würde sich dies in seiner Gesamtheit auf die Gesellschaft im allgemeinen auswirken? Ich meine Balance, Dankbarkeit und Zufriedenheit führen zu einem entspannten Verhältnis mit sich selbst und seiner Umwelt.

Was würde also geschehen, wenn wir diesen Zugang für uns selbst wieder eröffnen?

Möglicherweise können alle Beteiligten nur davon profitieren. Sicher ist dies nicht, man müsste es ausprobieren, wenn man den Mut dazu hat…

2016-12-15T07:06:03+00:00 März 16th, 2017|Jahreskreis|