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Bergisches Land 2013 2016-12-14T00:07:33+00:00

Es gibt eine Region in Deutschland, welche mit den Bergen

an sich  eigentlich nichts zu tun hat.

Hügelig könnte man ihre geografische Form bezeichnen,  zumal

der höchste Punkt auf dem Unnenberg gerade einmal 506m misst.

Um 1101 wurde die Region durch Adolf von Berg zur Grafschaft erhoben, wodurch sie ihren Namen erhielt.  Das „Bergische Land“, ein Landstrich dessen Böden durch den „andauernden“ Regen ausgemergelt waren. Die Bevölkerung war stets kreativ und erfindungsreich und so ist es nicht verwunderlich gerade hier auf bekannt Erfindungen nebst zugehörigen Museen zu treffen. Trotz Conrad Röntgen (Röntgenstrahlen), wie  der Erfindung des „Knirpses“, (einem Regenschirm für die Tasche), oder Klingen und Werkzeugen, der Aufschwung des „Bergischen Landes“ begann erst mit ihrer Erschliessung durch die Eisenbahn. So wie sie einst den Transport von Gütern ermöglichte, sorgen die stillgelegten Gleisanlagen heute in Form moderner Bahntrassenradwege für neuen Aufschwung und Bewegung. Wenn die heimische Bevölkerung, bis auf einige Rennradler und Mountainbiker, das Rad nicht für sich entdecken mochte, so blieb es dem Tourenfahrer erst recht verborgen. Bahntrassen und eBikes, beide haben dieser wunderschöne Region, dem Bergischen Land, neues Leben eingehaucht und sorgen heute dafür das die Räder nicht mehr still stehen. Sind die Grenzen des „Bergischen Landes“ heute nicht mehr genau zu definieren, so geben die neuen Radwege klare Anhaltspunkte. Von Olpe, im Südosten, findet man den Weg aus dem Sauerland über den Bergischen Panoramaradweg in das Bergische Land. Fährt man ihn bis zum nördlichsten Punkt bietet der Ruhrtalweg, welcher in östlicher Richtung immer wieder Anbindungen aufweist, weitere Optionen, während im Westen der Rheinradweg wartet. Das gesamte Netz besteht aus verschiedenen Bahntrassenabschnitten, die miteinander teils bereits verbunden wurden, bis 2014 aber fertiggestellt sein werden.

Mein Weg das Bergische Land für mich zu erkunden begann, nach einem arbeitsreichen Tag in Wermelskirchen. Startpunkt und Ausgangspunkt ist das Zweirad Center Lambeck, welches eBikes zum Verleih anbietet. Von hier aus verlasse ich die Balkantrasse, welcher ich mich später noch einmal zuwende und folge dem Bergischen Panoramaweg zunächst über die Bundesstrasse L157 in Richtung Solingen. Dieses Teilstück, obwohl nicht gerade gut befahrbar, bietet die ersten Aussichten auf die typisch bergische Landschaft. In weitem Abstand bietet sich zunächst eine grandiose Aussicht auf Remscheid bevor es, nach Querung der Autobahn A1 langsam naturnäher wird. Solingen Burg ist in wenigen Minuten erreicht und auch gleich mein erster Stop. Die „Burg an der Wupper“ ist die ehemalige Residenz der Grafen von Berg und somit eine wichtige Sehenswürdigkeit. Ein Besuch lohnt sich immer. Die Burganlage ist restauriert und beherbergt einen Teil der bergischen Adelsgeschichte. Während in der Anlage an sich die verschiedensten kulinarischen Köstlichkeiten angeboten werden lohnt sich immer wieder ein Blick in die sich weit öffnende Landschaft. Ich starte, hier in Oberburg und gelange auf der Rückseite des Herzogensitzes über Serpentinen nach Unterburg und geniesse die alte Fachwerkskunst, welche sich in den vorbeifliegenden Gebäuden wieder spiegelt. Wer die Strecke von der anderen Seite her fahren möchte, oder die Abfahrt scheut, (steil aber nicht schwer) kann den Höhenunterschied bequem samt Rad über die Seilbahn von Unterburg nach Oberburg bewältigen. Entlang der Wupper erreiche ich nach wenigen Minuten eine Schwebefähre, welche mich, samt Rad, in Handbetrieb zum anderen Ufer bringen wird. Bereits während der kurzen Fahrt bietet sich ein grandioser Blick auf die Müngstener Brücke, einem der vielen Highlights im Bergischen Land.

Dieses einmalige Bauwerk ingeneurstechnischer Brückenbaukunst erstreckt sich hoch über dem Tal und irgendwo hier soll laut alter Geschichte ein goldener Niet verarbeitet worden sein. Gefunden hat ihn bisher noch keiner, zumindest ist nichts bekannt geworden. Der „Müngstener Brückenpark“ bietet viele Informationen zur Brücke an sich, lädt ein die Füße im Fluss der Wupper zu kühlen. Gravierte Messingplatten geben „Laut“, so blad man sich auf sie stellt und beginnen ihre Geschichte zu erzählen, so bleibt die Zeit für Kinder, wie Erwachsene kurzweilig. Gerne würde ich heute noch Essen erreichen und so mache ich mich wieder auf den Weg, verlasse den Brückenpark in nördlicher Richtung und erreiche zunächst die Hauptstrasse. Ein wenig aufpassen! Hier führt der Weg erst nach rechts zur und über die Ampelanlage, bevor es ein Stück zurück geht um gleich nach der Kurve der Bundesstrasse rechts in den Wald auf die Trasse der Bergbahn abzubiegen. Es folgt ein kurzes, allerdings auch steileres Teilstück, welche der 250W Bosch Antrieb mit souveräner Unterstützung, leise surrend absolviert. Überhaupt  zeigt sich auf solchen Strecken die Qualität des Rotwild RT.1 Hybirid. Die 10 Gang Kettenschaltung (Shimano XT) arbeitet sauber und bietet eine ausreichende Bandbreite, während Luftfedergabel und Parallelogrammsattestütze die wegbedingten Unebehnheiten  prima von meinem Körper fernhalten. Der Brückenpark ist über die Bergbahntrasse mit der Korkenziehertrasse verbunden, welche bereits im Süden Solingens beginnt und in einem grünen Band durch Solingen hindurch ihre kurvenreiche Form bis nach Haan bewahrt. Weite Aussichten wechseln sich mit Möglichkeiten der Einkehr ab. Wer mehr über Solingens Geschichte und Kultur erfahren möchte, kommt zum Beispiel im Deutschen Klingenmuseeum, oder in der historischen Gesenkschmiede „Hendrichs“ auf seine Kosten. Internationales Flair bietet das Privatmuseeum Laurel & Hardy, in welchem sich alles um die beiden Komiker Stan und Ollie dreht. Mein Weg führt mich in Haan weiter auf die Trasse Niederbergbahn. Hier gilt es zunächst noch die Hauptstrasse zu queren und ein Stück weiter rechts in die scharf abbiegende Gräfrather Strasse einzubiegen. Nach kurzer Zeit ist die Beschilderung wieder ausreichend. Eine Gabelung führt geradeaus weiter in Richtung Wuppertal Vohwinkel und zur Nordbahntrase.

Nach links folge ich der Trasse Niederbergbahn und gelange alsbald an den Abzweig in Richtung „Neanderthalmuseeum“ , welches multimedial ein Stück menschlicher Entwicklungsgeschichte präsentiert. Die Trasse führt meinen Weg zunächst über Nebenstrecken mit verträumten Dörfern nach Wülfrath, wo sich ein Besuch im Zeittunnel lohnt. An diesem Punkt sollte man dem Abzweig nach rechts, weiter in Richtung Velbert folgen. Mit nur wenigen Steigungen sind diese alten Bahntrassen ideal für Radfahrer. Sie führen ebenso über zahlreiche Viadukte und Brücken wie sie mit ihren Tunneln Aufstiege vermeiden und ihren Weg für einen Moment unterirdisch fortsetzen. Das velberter Viadukt Saubrücke und die einzigartige Waggonbrücke in Heiligenhaus bilden nur zwei der Zahlreichen Sehenswerten Momente. Jede Brücke der Trasse ist mit Namen der unter ihr verlaufenden Strasse versehen. Schön und gleichzeitig eine praktische Orientierungshilfe. Nach Querung der Waggonbrücke führt die weitere Strecke langsam abfallend über die Ruhrbrücke bis nach Essen Kettwig, wo die Trasse Ende und Beginn vereint. Die sehenswerte Kettwiger Altstadt läd mich zu einem kurzen Abstecher ein. Fachwerk, die untergehende Sonne Flussstimmung. Langsam breitet sich ein wenig Müdigkeit aus und ich beschliesse das letzte Stück des Weges in der Abenddämmerung den Ruhrtalweg bis nach Essen Werden flussaufwärts zu fahren.

Es war eine gute Entscheidung das rechte Flussufer (in Fliessrichtung) zu nutzen. Der Weg ist gut ausgebaut und führt an alten Brücken, wie idyllischen Campingplätzen vorbei bis zur Brücke Werden. Hier endet mein heutiger Tag nach ca. 80 Km Strecke. Im Hotel Hohenstein habe ich ein Zimmer reserviert. Der freundliche Kontakt, einfache Zimmer und ein gutes Frühstück sorgen mit dafür das das Hotel im Bett&Bike Führer genannt wird. Werden selbst ist eine alte Abteistadt. Die alte Abtei selbst beherbergt heute die Folkwang Hochschule, an der sich Studierende aus aller Welt ihre künstlerischen Ausbildung beginnen. Nachdem ein Gewitter meinen Schlaf am nächsten Morgen beendete sank meine Laune erst einmal auf den Tiefpunkt. Nass weiter? Muss nicht unbedingt sein. Das gute Frühstück verbesserte meine Laune, während es draussen versöhnlich trocken blieb. Ohne die Rgensachen auszupacken startete ich in den trüben Tag. Nebel umwabberte die Ruhr nebst ihren Hügeln. Die Fahrt entlang des Baldeney Sees brachte mich in meinen Trott und versprach, trotz des Wetters, gute Ausblicke auf Landschaft und die Villa Hügel, jener „Kruppschen“ Industriellenvilla aus der Glanzzeit der Stahlaera. Langsam schienen immer mehr Radler wach zu werden, jedenfalls füllte sich der Weg recht schnell. Ich wollte gar nicht wissen, wie es hier wohl zu sonnigsten Zeiten ausgesehen hätte. Auf der Strecke nach Hattingen boten sich immer wieder sehenswerte Augenblicke, wie der „bunte Strommast“, die Stromschnellen der Ruhr mit ihren unermüdlichen Paddlern, oder die sanften Rundungen des Flusses. Radwandern am Wasser hat irgendwie etwas beruhigendes dachte ich noch, bevor ich kurz vor Hattingen den Abzweig zur Kohlenbergbahn, einer weiteren Trasse, fand. Hier bietet sich ein Abstecher in die Hattinger Altstadt an. Hunger und Durst liessen meine Räder am „Drahtesel“ zum Stillstand kommen.

Kaffe und ein genialer Heringsstipp füllten meine Kraftreserven auf, währen ich schnell mit einer Gruppe Radfahrer ins „Fachsimpeln“ kam. Es war ein netter Austausch, die Jungs waren selbst schon weit, teils in Russland, gereist. Die Kohlentrasse steigt in dieser Richtung langsam bis auf die „bergischen Höhen“ an und ist gut bis zum Tunnel Schee ausgebaut, welcher, wie die weitere Strecke bis Wuppertal, noch im Bau ist. Im Gegensatz zu den bisherigen Trassen ist der Untergrund anstelle einer Teer- mit einer wasserdurchlässigen Schicht versehen worden. Rillen und etwas schwereres fahren sind vorprogrammiert. Bis Wuppertal führt der Weg zunächst ländlich und auf Nebenstrassen, kreuzt teilweise das Gelände einer Golfanlage mit guter Steigung. In Wuppertal selbst führt der Weg über die üblichen Hauptstrassen, kreuzt die an dieser Stelle ebenfalls noch im Bau befindliche Nordbahntrasse unter einem Viadukt, bevor Oberbarmen im Bergischen Land erreicht wird. Wer möchte kann hier mittels Zug seinen Weg fortsetzen, der Nordbahntrasse in Richtung Haan, oder über eine Brücke die Gleisanlage queren und einem Zuweg zur Balkantrasse in Richtung Remscheid Lennep folgen. Wuppertal selbst ist eine multikulturelle Stadt mit vielen sehenswerten Stadtteilen, wie z.B. dem Luisenviertel mit seinen Künstlern und kreativen Menschen. Der Weg nach Lennep gestaltet sich in steter Steigung, abseits der Hauptstrassen, teilweise über geteerte Waldstrecken bis zum Bahnhof Remscheid Lennep, dem Ausgangspunkt der Balkantrasse.

Lennep wartet mit weiteren Sehenswürdigkeiten, wie der Altstadt und dem Röntgenmuseeum auf. Ich folge der Trasse  bis Burscheid und biege kurz nach der „blauen Brücke“ in Richtung Schlossstadt Hückeswagen, dem „Stammsitz der alten Grafen“ ab. Nach ca. 70KM neigt sich der Tag dem Ende entgegen und so gönne ich mir neben einem hervorragenden Cappucciono und einem ebenso guten Spaghetti Carbonara eine kurze Pause im Eiscaffee Friuli, das ich nur empfehlen kann. Hotel Kniep, wie das Hotel zur Post bieten Möglichkeiten der Unterkunft. Wer lieber zelten mag ist beim Freizeitparadies Beverblick gut aufgehoben. Die landschaftliche Ruhe der Bevertalsperre mitsamt der guten Kochkünste im Beverblick laden zum verweilen und entspannen ein und so wartet eine ruhige, entspannte Nacht auf mich. Am nächsten Morgen starte ich, zu einer kurzen Rundtour im Bergischen Land durch Hückeswagen. Über die Islandstrasse erreiche ich zunächst die Weierbachstrasse in ihrem typischen „bergischen Dreiklang“ aus schwarz, weiss und grün. Es ist nicht irgendein grün, es ist „bergisch Grün“! Das Altstadtflair zieht sich über die Marktstrasse zum Schloss und am liebsten würde ich mir so manches Haus gerne einmal genauer anschauen. Das Schloss beherbergt neben dem Verwaltungssitz ein Museum, welches Stadtgeschichte und einen Zeitausschnitt historischen, bergischen Lebens festhält. Bei immer noch bedektem Himmel fahre ich über die gut ausgebauten Trassen des Bergischen Panoramaweges am Flughafen „Wipperfürth Neye“ vorbei und erreiche kurz darauf die alte Hansestadt.

Die Trasse führt an der Stadt vorbei, ein Abstecher lohnt sich, alleine um den historischen Stadtkern etwas näher zu betrachten. Auf dem weg nach Marienheide, einem alten Wallfahrtsort, bieten sich immer wieder Möglichkeiten der Rast. Marienheide verfügt über einen Bahnanschluss. So manche Tour kann hier starten, wie zu Ende gehen. Vorbei an der Brucher Talsperre wird es in Richtung Müllenberg / Dannenberg nun langsam etwas hügeliger. Die Anbindung ans Sauerland ist nicht mit Bahntrassen ausgebaut, die Beschilderung allerdings ausreichend gut. Über „Serpentinen“ eröffnen sich grandiose Ausblicke auf die Aggertalsperre, dessen Staumauer nach kurzer Zeit erreicht ist. Der ganze Weg ist immer wieder mit Informationstafeln zu den verschiedensten Themengebieten versehen worden, an der Aggerstaumauer erfährt man ein wenig über die Landschaft vor dem Bau der Talsperre. So fahre ich entlang der Talsperre auf Waldwegen an versunkenen Gehöften vorbei in Richtung Bergneustadt Prenze, wo die Aggertalbahn, ein weiterer Trassenabschnitt beginnt. Direkt hinter dem Wegeringhausener Tunnel bieten sich Möglichkeiten zur Rast bevor die Ortsdurchfahrt Drohlshagen erreicht wird. Die Trasse ist bis kurz vor Olpe gut befahrbar und befindet sich im weiteren Ausbau. Mit Erreichen der Biggetalsperre liegt Olpe als Endziel der Tour in greifbarer Nähe. Die Talsperre ist ein wahres Freizeitparadies. Camping, Wassersport, einfache Erholungssuche und unendliche Radtouren sind von hier aus möglich. Ich fahre die letzen Meter ein Stück entlang der großen Biggetalsperre bis nach Olpe um von dort aus den weiteren Weg zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzutreten. Wer seinen Weg fortsetzen möchte findet in Olpe die Anbindung an den Ruhr-Sieg Radweg, welcher einerseits über Finnentrop nach Meschede (Wennemem) an die Ruhr, oder zur anderen Seite nach Kirchen an die Sieg führt. Über Kirchen kann mann dem Sieg Radweg bis Troisdorf und Köln folgen und hat so, über Leverkusen wieder Anschluss an die Balkantrasse, welche über Opladen und Burscheid zurück nach Wermelskirchen führt. Die Balkantrasse ist zwischen Burscheid und Opladen noch nicht fertig ausgebaut. Über die eingerichtete Beschilderung wird der Weg über gut befahrbare Nebenstrecken geführt, mit teils weiten Ausblicken Richtung Köln.

Ebenfalls nicht fertig ist die Nordbahntrasse, welche Haan durch Wuppertal mit Oberbarmen verbindet. Die bereits fertigen Teilstücke sind beispielhaft gut ausgebaut und bieten Fussgängern wie Radfahrern ausreichend Bewegungsfreiheit, Abwechslung, wie eine Menge Tunnel, die teilweise, wie zum Beispiel der Tanztunnel, kreativ genutzt werden. Mit Fertigstellung im Jahr 2014 wird der Weg über Viadukte weitere Highlights in Wuppertal eröffnen.

Fazit

Der Ausbau und die Nutzung alter Bahntrassen eröffnet dem Tourenfahrer ein weites Netz wunderschöner Routen quer durch das „Bergische Land“. Durch geschickte Auswahl einzelner Strecken lassen sich Tages- oder Mehrtagestouren planen und beliebig variieren. Durch die angrenzenden Flussradwege von Ruhr, Rhein und Sieg, wie den Anschluss an die Sauerlandregion sind weite Rundtouren gemischten Charakters möglich. Dank der überall anzutreffenden eBike Verleihstationen wird endlich eine herrliche Region für viele mit dem Rad befahrbar. Selbst aus den Niederlanden bieten sich entweder über Moers, Duisburg und Ruhrtalweg, oder über Aachen, die Kaiserroute und Köln Anschlussmöglichkeiten für einen ausgedehnten Radurlaub in eine sehenswerte Region!