Tschüss, Rainer

Rainer Schwarz, offizieller Harley-Davidson Stuntfahrer, tritt von der Bühne ab

  • 18 Jahre lang war Rainer Schwarz auf US-V-Twins am Start
  • Gekonnte Motorradakrobatik – sogar auf Harley-Davidson Touring Bikes
  • Tschüss Rainer

Langfassung

(Neu-Isenburg, 20.12.2016) Wer ihn anruft, erahnt im Hintergrund nicht selten das gemütliche Tuckern eines fetten Trecker-Diesels: Rainer Schwarz ist Landwirt aus Passion. Doch der sympathische Kerl aus Herbishofen im Unterallgäu hat auch eine andere Seite … Wheelies über atemberaubende Distanzen, verbunden mit einer perfekten Punktlandung, imposante Stoppies bis in die Senkrechte, großartige Donuts und brutale Burnouts, bei denen der komplette Ort des Geschehens in dichten, hellgrauen Rauch getaucht wird. Als Stuntman war Rainer der geborene Dangerfreak. Show für Show erntete er frenetischen Applaus. Regelmäßig musste er im Anschluss an sein Finale nachsitzen, um Autogramme zu schreiben. Doch damit ist jetzt Schluss: 2016 fuhr der offizielle deutsche Harley-Davidson Stuntrider seine letzte Show. Immer strenger wurden die Sicherheitsvorkehrungen an den Strecken, immer enger das Korsett, in das man Stuntriding quetschte. „Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören“, kommentierte Rainer seine Entscheidung, nachdem er den letzten Burnout zelebriert hatte.

Schön war’s jedenfalls mit Rainer in den letzten 18 Jahren – sehr schön. Seit 1999 war er auf amerikanischen V-Twins unterwegs – zunächst nur auf solchen mit Buell Logo am Tank. Doch schon 2003 wagte er sich an Harleys heran. Die Dyna Super Glide Sport war das erste Milwaukee-Iron, dem der bayerische Extrembiker die Sporen gab. Und beim wilden V-Twin-Tanz auf dem Asphalt ließ er die begeisterten Zuschauer vergessen, dass dieser Untersatz satte 300 Kilo auf die Waage brachte. Bis zu drei furchtlose Passagiere hatte der Stuntman in jenen Jahren mit an Bord, während er seine PS-Akrobatik präsentierte. Abendliche Shows wurden seit 2004 mit gekonnter Pyrotechnik garniert, die für spektakuläre Bilder sorgte. Und in keiner Vorstellung gab es jemals Gnade in puncto Gummi: Eingehüllt in undurchsichtig dicken Qualm und begleitet vom markerschütternden Donner der V-Twins wurde gewheelt, bis der Hinterreifen mit dumpfem Knall platzte. Daran hat sich nie etwas geändert, einerlei, ob Rainer in Faak, in Hamburg oder auf irgendeinem der vielen anderen Harley Events auftrat und egal, ob er eine Sportster, eine Dyna, eine V-Rod oder einen Tourer über den Asphalt prügelte. Denn selbst wuchtige, verkleidete Reisemaschinen wie die Electra Glide brachte er locker in den Wheelie-Modus. 

Angefangen hatte alles wie bei vielen Kindern der Babyboom-Ära und der frühen 1970er-Jahre: Im zarten Alter von zehn schwang sich Rainer erstmals auf ein motorbetriebenes Zweirad – und war völlig hin und weg. Alles, was knatterte, kreischte, bollerte und ihn schnell machte – richtig schnell –, war fortan sein Ding. Die Rennpiste wurde zu seinem Lieblingsort, wo ihm in puncto Slalom, Rundstrecke, Super Moto und Enduro keiner etwas vormachen konnte. Bis 1996 mischte er das automobile Rennsportgeschehen auf, ein Jahr später gab er seine erste Stuntshow auf zwei Rädern. Show für Show rutschte den Zuschauern beim Anblick von Rainers Kunststücken das Herz in die Hose. Doch verrückt war der motorradbesessene Artist nie. „Jede Menge Herzblut gehört dazu, perfekte Planung und natürlich üben, üben und nochmals üben“, erläutert Rainer sein simples Konzept, das den Atem stocken ließ.

Natürlich wird man den sympathischen Bayern auch künftig dort antreffen, wo die Fans amerikanischer V-Twins zusammenkommen – allerdings ganz gesittet und regelkonform auf öffentlichen Straßen. „Aber vielleicht lässt er sich ja doch noch einmal überreden …“, hofft Frank Klumpp, Harley-Davidson Marketing Director. „Unsere Tür ist immer offen für Rainer und ein Bike steht für ihn bereit.“ Die Motor Company verneigt sich vor Rainer Schwarz und sagt „Danke“ für eine coole Zeit.

2017-01-05T08:10:24+00:00 Dezember 20th, 2016|MOTORRAD|